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Umfangreiche Rechercheergebnisse zum Skandal um den Kultwein Brunello di Montalcino meldet im Anschluss an die Weinmesse Vinitaly in Verona die unabhängige Presseagentur VinVinoLife aus München (Stand 08.04.2008).
Neben einem exklusiven Gespräch mit Stefano Campatelli, Direktor des Consorzio del Vino Brunello di Montalcino, wurde von VinVinoLife-Chefverkoster Gregor Drescher dort auch der aktuelle Jahrgang 2003 verkostet, unter anderem der inzwischen im Weingut beschlagnahmte Brunello aus dem Hause Banfi. Die Berichterstattung über den Skandal in den Medien und im Internet und die daraus resultierende Verunsicherung auf den internationalen Märkten scheinen von den Produzenten selbst und dem Konsortium dabei in ihren Ausmaßen aktuell noch völlig unterschätzt zu werden. An den Messeständen in Verona bekam man noch verhältnismäßig wenig mit vom großen Skandal, die Winzer hatten teils noch nicht einmal realisiert, was da genau auf ihre Region zukommt.
Zu den Hintergründen erklärte Herr Stefano Campatelli, das Konsortium habe seit 2004 1.667 Hektar von ca. 2.000 Hektar offiziell deklarierter Brunello-Lagen kontrolliert und dabei bisher nur bei einem Prozent der Parzellen Unregelmäßigkeiten festgestellt, die größtenteils weinbergsgeschichtliche Hintergründe hatten. Konkret seien so 17 Weinberge hinsichtlich der angepflanzten Sorten beanstandet worden. Die betroffenen Weingüter seien aufgefordert worden, die fraglichen Weinberge anders und damit nicht mehr als Brunello-Lagen zu deklarieren, oder aber die fremden Sorten zu entfernen. Unter anderem habe es so auch Unregelmäßigkeiten bei Banfi, Antinori, Frescobaldi und Argiano gegeben, also eben den Weingütern, die jetzt in aller Munde sind.
Zudem hat das in Florenz ansässige Ispettorato Controllo Qualità ICQ, ein Büro des Agrarministeriums, welches die Region schon seit über 30 Jahren kontrolliert, die Weingüter mit den ungeklärten Auffälligkeiten eigenständig genauer untersucht. Dabei sei der Fokus zunächst auch auf Casanova di Neri, Col d´Orcia und Biondi Santi gelegen, speziell bei Banfi, Frescobaldi und Antinori sollen jedoch gröbere Unklarheiten festgestellt worden sein, welche Direktor Campatelli vom Konsortium im Detail nicht bekannt sind. Laut VinVinoLife liegt jedoch die Vermutung nahe, dass es sich nicht etwa nur um Überschreitungen der Höchstertragsgrenzen handelte, sondern unter Umständen eben um den Anbau und die Verwendung fremder Rebsorten für den Brunello di Montalcino, der nach Konsortiums-Statuten (alle Produzenten, die Brunello di Montalcino produzieren, gehören dem Consorzio an) nur reinsortig aus Sangiovese bestehen darf.
Aufgrund der aktuellen Verdachtsmomente, die, wohlgemerkt, noch nicht bewiesen sind, wurde der Vertrieb der Brunello di Montalcino-Produktion in den Kellereien von Banfi, Frescobaldi und Antinori, nicht jedoch von Argiano, für die Jahrgänge 2003-2007 komplett von Seiten der Staatsanwaltschaft geblockt. Gegenüber ihrem Konsortium sollen sich die drei beschuldigten Weingüter dennoch zuversichtlich geäußert haben, so Campatelli, dass die Vorwürfe, welcher Art auch immer, entkräftet werden könnten. Sollte doch ein Verstoß seitens der Produzenten vorliegen, sollen auch ein Ausschluss aus dem Konsortium sowie gerichtliche Schritte mit Schadenersatzforderungen theoretisch möglich sein, nachdem das Konsortium offiziell nie eine Auflockerung hinsichtlich der Reinsortigkeit des Brunello diskutiert habe. Unter den Winzern selbst, so beispielsweise Paola Gloder vom namhaften Weingut Poggio Antico, soll dies allerdings sehr wohl längst der Fall sein. „Gerüchte“, so Gregor Drescher, Chefverkoster von VinVinoLife, „dass bei Banfi andere Rebsorten in den Brunello die Montalcino gemixt werden, sind mir schon seit 1992 bekannt.“.
In den Medien werden zurzeit die Vorkommnisse in Montalcino unsachgemäß mit einem Säureskandal in Norditalien in Verbindung gebracht, mit dem die Entwicklung in der Toskana de facto nichts zu tun hat - eine Katastrophe für die Winzer in Montalcino.
Dass es sich bei dem Skandal in der Toskana um ein hausgemachtes Problem handelt, sollte unter einem ganz anderen Blickwinkel betrachtet werden, meint Gregor Drescher von VinVinoLife:
„Dass die Rebsorte Sangiovese im internationalen Vergleich eine hinterherhinkende Rebsorte darstellt, die nur in den seltensten Fällen alleine erfolgreich ist, ist in Fachkreisen sehr wohl bekannt. Dass andere Sorten wie Cabernet Sauvignon und Merlot hier als Krücken dienen können, hat sich schon seit Jahren als erfolgreiches Konzept in der Toskana bewiesen. Das Festhalten an der Reinsortigkeit in Montalcino hat zweifellos zur Folge, dass hier teilweise an den Wünschen der Endverbraucher und an den Marktbedürfnissen vorbeiproduziert wird, und somit bei vielen Brunelloproduzenten der Verkauf stagniert.“.
Die Reinsortigkeit des Brunello basiert dabei „auf einem Gesetz, das nicht zum Schutze des Konsumenten erdacht wurde, sondern vielmehr zum Schutze einer Marketingstrategie der Produzenten von Montalcino.“, so Drescher.
Von Pantschen, wie z.B. durch Wasserzugabe, zu sprechen, sei völlig unangebracht, „es geht vielmehr rein önologisch betrachtet, um das klassische Cuvetieren mehrerer Rebsorten, wie es in Bordeaux oder in der Champagne Tradition ist, und inzwischen selbst in der Toskana bei vielen IGTs und Kultweinen wie Tignanello, Tenuta di Trinoro und Ornellaia mit herausragenden Ergebnissen praktiziert wird“.
„Sollte es nun tatsächlich der Fall sein“, so Drescher, „dass renommierte Häuser wie Banfi, Antinori und Frescobaldi andere Rebsorten verwendet haben, dann wäre dies nicht zwingend zum Nachteil des Konsumenten geschehen, mit dem verwerflichen Ziel, einfach nur mehr Quantität zu produzieren, sondern vielmehr an sich, und von der Gesetzgebung abgesehen, durchaus ein Weg, um das finale Produkt signifikant zu verbessern.“. Dass das Thema nun zu einem Skandal mutiert ist, basiere somit wohl auch auf dem Neid solcher Brunello-Produzenten, die eben nicht auf die Stütze des Cabernet zurückgreifen können.
Organoleptisch sind die vermeintlichen Rebsorten-Beigaben nicht im Geringsten zu erkennen gewesen, oder gar nachteilig aufgefallen, so Drescher. „Nach meiner Einschätzung liegen die Weine qualitativ zwar nicht im Spitzenfeld, aber doch zumindest im gehobenen Mittelfeld. Sie weisen keinesfalls geschmackliche Fehler auf.“. Umfangreiche Bewertungen der Jahrgänge 2001/2002/2003 veröffentlicht VinVinoLife in Kürze, zeitgleich mit über 500 Bewertungen zum neuen Jahrgang 2007 in Bordeaux.
Die in den Medien verbreitete Behauptung, die den Sangiovese unterstützenden Weine aus anderen Rebsorten stammten aus Apulien bzw. Süditalien, und nicht einmal aus Montalcino selbst, wurde mittlerweile von der Staatsanwaltschaft in einer Pressemitteilung, die VinVinoLife vorliegt, dementiert. Genauso falsch ist das Gerücht, dass ein Mitglied der Frescobaldi-Familie in Untersuchungshaft genommen sein soll.
Inzwischen meldet Banfi in einer Pressemitteilung, es handele sich bei den Untersuchungen zum Unternehmen weder um zugemischte Rebsorten, noch um deren süditalienische Herkunft, sondern lediglich um Fragen zu Ertragshöchstgrenzen.
Text: Andrea Hensel, VVL; Fotos: K. Mecheddal, VVL;

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